Magendrehung - Ein grosses Thema für grosse Hunde
Magendrehung – der Lauf gegen die Zeit
Warum ich über dieses Thema schreibe
Kaum ein Notfall macht Besitzern großer Hunde so viel Angst. Bei meiner Hündin Charlotte wurde diese Angst vor zwei Jahren plötzlich Realität. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus einem scheinbar schönen, warmen Sommerabend ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem jede Minute zählte.
In diesem Bericht möchte ich erzählen, was passiert ist, welche Anzeichen mich alarmiert haben und warum schnelles Handeln bei einer Magendrehung entscheidend sein kann.
Außerdem geht es darum, welche typischen Symptome Hundehalter grosser Hunde kennen sollten, was im Ernstfall sofort getan werden muss und welche Möglichkeiten es gibt, das Risiko zu senken oder die Überlebenschancen zu erhöhen.
Eines ist mir durch diese Erfahrung sehr klar geworden: Vor einer Magendrehung kann man nie vollständig sicher sein. Aber man kann vorbereitet sein. Und genau diese Vorbereitung kann im entscheidenden Moment den Unterschied machen.
Unsere knapp 10'000 Hundekunden haben mehrheitlich große Hunde. Wenn durch diesen Artikel auch nur ein Hundeleben gerettet werden kann, dann hat sich unser Ziel bereits erfüllt. Deshalb möchten wir unsere wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse mit euch teilen.
Was umgangssprachlich oft Magendrehung genannt wird, heißt medizinisch häufig GDV: Gastric Dilatation-Volvulus, also eine Aufgasung beziehungsweise Erweiterung des Magens mit Drehung.

1. Mein Erfahrungsbericht mit meiner Hündin Charlotte
1.1 Der Moment, in dem etwas nicht stimmte
Es war ein heißer, schwüler Samstagabend im Juli. Einer dieser Sommerabende, die eigentlich perfekt sind. Charlotte mit ihren 50 kg und Ringo mit seinen 60 kg, Doggen-Labrador-Wurfgeschwister und damals 4-jährig, hatten im See eine riesige Freude. Sie schwammen, spielten und genossen das Wasser. Charlotte sprang immer wieder vom SUP, dem Stand-up-Paddle, ins Wasser und kam wieder zurück aufs Board. Es war ein Tag, wie man ihn sich schöner kaum vorstellen kann.

Charlotte hatte einen leeren Magen, denn sie hatte seit dem Morgen nichts gefressen. Wieder zu Hause, noch immer mit nassem Fell, machte sie sich zuerst wieder an ihren Knochen. Daran fraß sie ungefähr zehn Minuten. Danach war es Zeit für das Abendessen.
Ich stellte das Futter draußen vor die Tür, damit die Hunde noch etwas draußen bleiben und trocknen konnten. Keine Minute später sah ich Ringo schon fleißig fressen. Charlotte näherte sich ebenfalls ihrem Futter – doch dann fiepte sie kurz vor Schmerz auf und wich zurück.
In diesem Moment wusste ich: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht.
1.2 Die ersten Anzeichen
Ich holte Charlotte sofort ins Haus. Was mir direkt auffiel: Sie streckte den Kopf nach vorne, als hätte sie sich im Hals oder im Rücken etwas gezerrt. Sie lief unruhig hin und her, setzte sich immer wieder hin, den Kopf weiterhin nach vorne gestreckt. Immer wieder versuchte sie, sich zu strecken, aber es war offensichtlich, dass ihr genau das Schmerzen bereitete.
Mein erster Gedanke war tatsächlich nicht Magendrehung. Ich dachte an einen Bandscheibenvorfall, einen eingeklemmten Nerv oder eine Verletzung im Hals- oder Rückenbereich, weil sie ihren Kopf so starr hielt.
Und dann kam der Moment, in dem bei mir alle Alarmglocken angingen. Charlotte setzte sich hin und ich sah, wie sie sich ganz subtil zu ihrem Bauch umdrehte. Der Blick zum Bauch. Als Pferdehalterin kenne ich genau dieses Verhalten: Der Bauch tut weh.
Ich hatte noch nie eine Magendrehung bei einem Hund gesehen. Aber in diesem Moment war mir klar: Es könnte eine sein.
1.3 Die Entscheidung: sofort los
Mein nächster Griff ging sofort zum Telefon. Gott sei Dank liegt die Ennetsee Klinik für Kleintiere in Hünenberg (ZG) nicht weit entfernt. Ich meldete Charlotte im Notfall an, und keine 15 Minuten nach Symptombeginn saßen wir bereits im Wartezimmer der Klinik.
Diese 15 Minuten waren entscheidend. Ich habe nicht erst lange gesucht, nicht abgewartet und nicht gehofft, dass es vielleicht von alleine besser wird. Ich wusste nur: Meine Hündin hat starke Schmerzen. Und wenn es wirklich eine Magendrehung ist, darf ich keine Zeit verlieren.
1.4 In der Klinik
Charlotte hechelte inzwischen. Es war zwar ein heißer Abend, aber ihr Gesicht war deutlich schmerzverzerrt. Trotzdem war sie noch voll aufmerksam. Sie versuchte, sich so gut es ging nichts anmerken zu lassen. Bei ihr, als starker Hündin, war das Normalität: bloß keine Schwäche zeigen.
Schon im Wartezimmer fiel mir auf, dass ihr sonst sehr schlanker Bauch aufgebläht wirkte. Wenn sie sich nach links drehte, sah man auf der rechten Seite, dass die Bauchgegend anders aussah als sonst. Es war, als hätte sie dort eine Wölbung.
Dann durften wir zur diensthabenden Tierärztin ins Behandlungszimmer. Auch sie bestätigte mir, dass es schon so aussah, als hätte Charlotte Bauchweh. Gleichzeitig hatte Charlotte aber kein einziges Mal versucht zu würgen oder erfolglos zu erbrechen. Ihr Kreislauf war stabil, die Atmung normal.
Damit stand die Entscheidung im Raum: Sollte Charlotte ein krampflösendes Mittel gegen die Bauchschmerzen bekommen – oder sollten wir sicherheitshalber noch ein Röntgen machen, um eine Magendrehung auszuschließen?
Für mich war die Entscheidung klar: Auf jeden Fall ein Röntgen. Denn ich wusste: Meine Hündin hat starke Schmerzen.
Charlotte lief mit ins Röntgen. Kurz darauf kam die Ärztin sichtbar aufgeregt zurück. Die vorher noch relativ ruhige Behandlung bekam plötzlich einen ganz anderen Ton. Charlotte hatte eine Magendrehung, das Röntgenbild hatte es bestätigt. Jetzt war klar: Sie musste sofort operiert werden.
Die Tierärztin bestätigte auch, dass die Chancen gut stünden, weil Charlotte so schnell in der Klinik vorgestellt wurde. Eine Stunde später war es soweit: Charlotte wurde von Herrn Andreoni operiert.
Diese Zeit war kaum auszuhalten. Sie schien stillzustehen. Als ich nach eineinhalb Stunden noch nichts gehört hatte, konnte ich nicht anders: Ich fuhr zur Klinik und wartete vor der Tür. Ich konnte diese Unsicherheit nicht ertragen. Nicht zu wissen, wie es meiner Hündin geht, war unerträglich.
Dort fand mich die Praxisassistentin, die bei der Operation dabei gewesen war, heulend vor der Klinik. Und sie nahm mir die Angst. Alles war gut verlaufen.
Auch die Milz hatte sich mitgedreht. Aber es gab keine nekrotischen Veränderungen, also kein abgestorbenes Gewebe durch eine zu lange Unterbrechung der Durchblutung. Das zeitnahe Vorstellen in der Klinik und das schnelle Operieren des Teams hatten Charlotte das Leben gerettet. Sie hat von der Magendrehung keine bleibenden Schäden davongetragen.
Um das Risiko einer erneuten Magendrehung deutlich zu senken, wurde eine sogenannte Gastropexie gemacht. Dabei wird der Magen chirurgisch an der Bauchwand fixiert. Eine erneute Drehung wird dadurch sehr viel unwahrscheinlicher, eine Magenaufgasung kann aber trotzdem weiterhin möglich sein.
Zwei Tage später durfte Charlotte wieder nach Hause. Ihre Genesung verlief schnell. Die Naht verheilte sehr gut, und nach zehn Tagen konnten die Fäden gezogen werden. Sie waren bereits sehr tief verwachsen, weil ihre Wundheilung wirklich gut verlief. Schwierig war vor allem die Schonung. Charlotte verstand nicht, warum sie sich zurückhalten sollte. Ihrer Meinung nach war sie wenige Tage später ja schon wieder vollkommen gesund.

1.5 Was ich aus dieser Nacht gelernt habe
Das Tückische war: Charlotte hatte eigentlich gar keinen vollen Magen. Ihr Abendessen hatte sie nicht angerührt. Wahrscheinlich war da nur ein wenig Knochen im Magen – aber möglicherweise viel Luft.
Nach dem Schwimmen, dem Hecheln und der ganzen Aufregung kann ein Hund Luft schlucken. Weil ihr Fell noch nass war, könnte sie sich danach auch gewälzt haben. Bei einem großen, tiefbrüstigen Hund kann ein solcher Moment vielleicht reichen: ein Magen, der nicht mit Futter gefüllt ist, sondern mit Luft, etwas schwerer Inhalt vom Knochen – und dann eine Bewegung, bei der sich der Magen verdreht.
Ob genau diese Kombination der Auslöser war, lässt sich im Nachhinein nicht sicher beweisen. Bei einer Magendrehung gibt es oft nicht den einen Auslöser, sondern mehrere Faktoren, die unglücklich zusammenkommen.
Was von dieser Erfahrung bleibt, ist für mich ganz klar: Eine Magendrehung ist ein Wettlauf mit der Zeit. Und wenn auch nur der Verdacht besteht, ist es besser, einmal mehr eine Notfallabklärung machen zu lassen, um eine Magendrehung sicher auszuschließen, als wertvolle Minuten zu verlieren.
Magendrehung: Mein Notfallplan in 10 Punkten
Wenn du einen großen oder tiefbrüstigen Hund hast, solltest du diese Punkte kennen:
- Kenne die Risikofaktoren.
Große Hunde, Riesenrassen und Hunde mit tiefem Brustkorb haben ein erhöhtes Risiko für eine Magendrehung.
- Kenne die Symptome.
Unruhe, Schmerzen, ein aufgeblähter Bauch, Hecheln, Speicheln oder erfolglose Brechversuche können Warnzeichen sein.
- Verlasse dich nicht darauf, dass alle Symptome auftreten müssen.
Nicht jeder Hund zeigt die klassischen Anzeichen. Meine Hündin würgte beispielsweise kein einziges Mal und hatte trotzdem eine Magendrehung.
- Schließe eine Magendrehung nicht aus, nur weil dein Hund klein oder jung ist.
Auch kleine Hunde und sogar Welpen können betroffen sein, wenn auch viel seltener.
- Verliere keine Zeit mit Internetsuchen.
Wenn der Verdacht auf eine Magendrehung besteht, ist jetzt nicht der Moment für Google, Foren oder Facebook-Gruppen.
- Kenne die nächstgelegene Tierklinik mit 24-Stunden-Notdienst.
Informiere dich bereits heute, welche Klinik in deiner Region eine Magendrehung diagnostizieren, den Hund stabilisieren und notfalls operieren kann. Auch wenn du unterwegs oder im Urlaub bist, solltest du wissen, wo sich die nächste geeignete Notfallklinik befindet.
- Speichere die Telefonnummer der Notfallklinik im Handy.
Im Ernstfall zählt jede Minute. Rufe im Notfall sofort an und sage klar: „Ich habe den Verdacht auf eine Magendrehung.“ So weiß die Klinik schon vor deiner Ankunft, dass es sich um einen zeitkritischen Notfall handeln kann.
- Plane den Transport im Voraus.
Weißt du genau, wie du zur Klinik kommst? Kennst du die Fahrzeit? Hast du das Navigationsziel gespeichert?
- Überlege dir vorher, wie du einen schweren Hund transportieren würdest.
Kannst du einen 50-, 60- oder 70-Kilo-Hund alleine ins Auto heben? Wenn nicht: Wer könnte dir helfen? Hast du eine Rampe oder eine andere Lösung?
- Lieber einmal zu viel abklären lassen als einmal zu spät kommen.
Eine unnötige Notfallabklärung ist ärgerlich. Eine übersehene Magendrehung kann tödlich sein.
Bei einer Magendrehung gewinnt nicht derjenige, der die meisten Symptome erkennt. Es gewinnt derjenige, der bei Verdacht keine Zeit verliert.
Bei einer Magendrehung gewinnt nicht derjenige, der die meisten Symptome erkennt. Es gewinnt derjenige, der bei Verdacht keine Zeit verliert.
Für mich sind die wichtigsten Punkte aus dieser Nacht:
- Zeit ist alles.
- Symptome müssen nicht immer alle zutreffen. Charlotte hatte nie versucht zu würgen – obwohl das ein typisches Symptom sein kann.
- Man muss bereits vor einem Notfall wissen, welche Kliniken man anrufen kann. Im Stress verliert man zu viel Zeit, wenn man erst nach Kliniken suchen muss.
- Auch im Urlaub sollte man wissen, wo eine 24-Stunden-Klinik ist und wie man dorthin kommt.
- Lieber einmal mehr zum Notfall, als es später zu bereuen.
2. Typische Symptome einer Magendrehung
Eine Magendrehung kann sich von Hund zu Hund unterschiedlich zeigen. Es gibt klassische Warnzeichen, die häufig beschrieben werden – aber nicht jeder Hund zeigt alle davon. Genau das ist gefährlich: Man darf eine Magendrehung nicht ausschließen, nur weil ein einzelnes typisches Symptom fehlt.
Häufige und klassische Warnzeichen
Typische Anzeichen können sein:
- plötzliche Unruhe (der Hund läuft hin und her und findet keine bequeme Position)
- auffällige Angst, Unwohlsein oder ein angespannter Ausdruck
- vermehrtes Speicheln
- Würgen oder Brechversuche, ohne dass etwas herauskommt (erfolglose Versuche zu erbrechen)
- aufgeblähter oder gespannter Bauch / harter Bauch
- sichtbare Bauchschmerzen
- Gebetsstellung: Vorderkörper tief, Brust Richtung Boden, Hinterteil oben
- der Hund schaut zum Bauch oder dreht sich zum Bauch um
- Hecheln oder schnelle Atmung
- Schwäche / blasse Schleimhäute
- schneller oder schwacher Puls
- Kreislaufprobleme / Kollaps im fortgeschrittenen Stadium
Besonders bekannt ist das erfolglose Würgen oder der Versuch zu erbrechen, ohne dass etwas herauskommt. Das gilt als sehr typisches Warnzeichen. Aber: Es muss nicht immer auftreten.
Charlotte hat kein einziges Mal gewürgt und nicht versucht, erfolglos zu erbrechen. Ihr Kreislauf war zu Beginn stabil, und ihre Atmung war normal. Trotzdem hatte sie eine Magendrehung.
Deshalb ist für mich einer der wichtigsten Punkte: Nicht auf das „vollständige Lehrbuchbild“ warten. Ein Hund muss nicht alle klassischen Symptome zeigen, um eine Magendrehung zu haben.
Zeichen, die bei Charlotte auffielen
- Sie fraß ihr Futter nicht und wich vom Futter zurück.
- Sie streckte den Kopf auffällig nach vorne.
- Sie wirkte, als hätte sie sich im Hals, Rücken oder Nackenbereich etwas gezerrt.
- Sie lief unruhig hin und her.
- Sie setzte sich immer wieder hin.
- Sie versuchte, sich zu strecken, was ihr offensichtlich Schmerzen bereitete.
- Sie drehte sich subtil zu ihrem Bauch um.
- Ihr sonst sehr schlanker Bauch wirkte aufgebläht.
- Auf einer Seite sah die Bauchgegend anders aus als sonst, fast wie eine Wölbung.
- Sie hatte ein deutlich schmerzverzerrtes Gesicht.
- Gleichzeitig blieb sie aufmerksam und versuchte, sich möglichst nichts anmerken zu lassen.
Diese Zeichen sind wichtig, weil sie zeigen: Eine Magendrehung sieht am Anfang nicht immer eindeutig aus. Sie kann wirken wie Bauchweh, Rückenweh, ein eingeklemmter Nerv oder ein allgemeines Unwohlsein.
Gerade große, tiefbrüstige Hunde können Schmerzen lange verbergen. Manche Hunde versuchen, sich nichts anmerken zu lassen, obwohl sie bereits starke Schmerzen haben. Deshalb sollte man nicht warten, bis der Hund zusammenbricht oder alle klassischen Symptome zeigt.
Bei Verdacht gilt: Nicht abwarten. Nicht googeln. Nicht erst beobachten, ob es besser wird. Sofort die Tierklinik oder den tierärztlichen Notdienst anrufen und klar sagen: „Ich habe den Verdacht auf eine Magendrehung.“
3. Risikofaktoren: Welche Hunde besonders gefährdet sind
Körperbau und Veranlagung
- Große Hunde und Riesenrassen: Der bekannteste Risikofaktor ist die Körpergröße. Große und sehr große Hunde sind deutlich häufiger betroffen als kleine Hunde.
- Tiefer, schmaler Brustkorb: Nicht nur die Größe ist entscheidend, sondern auch die Körperform. Hunde mit tiefem, eher schmalem Brustkorb haben ein erhöhtes Risiko.
- Rasse und genetische Veranlagung: Bestimmte Rassen sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Auch die genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Besonders relevant ist, ob ein naher Verwandter bereits eine Magendrehung hatte. Wenn ein Wurfgeschwister, Elternteil oder Nachkomme betroffen war, sollte man besonders wachsam sein.
Alter
- Zunehmendes Alter: Das Risiko steigt mit dem Alter. Gleichzeitig ist wichtig: Auch junge Hunde, kleine Hunde und sogar Welpen können eine Magendrehung bekommen, wenn auch viel seltener.
Fütterung und Fressverhalten
- Einmal tägliche Fütterung und große Mahlzeiten: Ein grosser Futteranteil auf einmal kann das Risiko erhöhen. Deshalb ist es bei Risikohunden sinnvoll, große Futtermengen auf mehrere kleinere Mahlzeiten zu verteilen.
- Hastiges Fressen und Schlingen: Schnelles Fressen wird häufig als Risikofaktor genannt. Bei Hunden, die stark schlingen, kann ein Anti-Schling-Napf oder eine andere langsamere Fütterungsmethode sinnvoll sein.
- Erhöhter Futternapf: Ein erhöhter Futternapf wurde früher teilweise empfohlen, wird heute aber kritischer gesehen und in Studien ebenfalls als möglicher Risikofaktor genannt. Deshalb sollte man einen erhöhten Napf bei Risikohunden nicht einfach pauschal als Schutzmaßnahme ansehen, sondern dies mit dem Tierarzt besprechen.
Bewegung, Stress und Situation
- Starke Bewegung kurz nach dem Fressen: Hunde toben und spielen gerne nach dem Fressen. Wenn möglich, sollte nach einer Mahlzeit aber keine wilde Aktivität folgen. Ruhige Bewegung ist etwas anderes als Rennen, Springen, Toben oder wildes Spielen.
- Stress, Nervosität oder ein sehr angespanntes Temperament: Auch Stress, Nervosität oder ein sehr angespanntes Temperament werden als mögliche Risikofaktoren beschrieben. Das bedeutet nicht, dass jeder sensible oder wachsame Hund eine Magendrehung bekommt. Aber bei großen, tiefbrüstigen Hunden kann Stress ein zusätzlicher Faktor sein, der berücksichtigt werden sollte.
Medizinische Vorgeschichte
- Vorherige Magendrehung oder Magendilatation: Ein Hund, der bereits eine Magendrehung oder eine starke Magenaufgasung hatte, gilt als besonders gefährdet für erneute Probleme, wenn keine Gastropexie gemacht wurde. Eine Gastropexie kann das Risiko einer erneuten Drehung deutlich senken, ist aber keine Garantie dafür, dass nie wieder eine Magenaufgasung auftreten kann.
Wetter, Jahreszeit und Luftdruck
- Auch Wetter, Temperatur, Luftdruck oder Jahreszeit wurden in Studien untersucht. Die Zusammenhänge sind aber nicht eindeutig. Deshalb sollte man hier vorsichtig bleiben. Bei Charlotte war es ein heißer, schwüler Sommerabend. Ob diese Umstände eine Rolle gespielt haben, kann man nicht sicher sagen. Es kann ein zusätzlicher Belastungsfaktor gewesen sein – beweisen kann man es im Nachhinein nicht.
4. Vorbeugung: Was kann man tun, um das Risiko zu senken?
Man kann eine Magendrehung nie mit absoluter Sicherheit verhindern. Aber man kann bestimmte Risikofaktoren kennen, den Alltag entsprechend gestalten und vor allem im Notfall vorbereitet sein.
Mögliche Maßnahmen im Alltag:
- große Futtermengen auf mehrere Mahlzeiten verteilen
- Schlingen vermeiden, zum Beispiel mit einem Anti-Schling-Napf, falls nötig
- nach großen Mahlzeiten keine wilde Aktivität
- Stress und Aufregung rund ums Fressen möglichst reduzieren
- den Hund nach dem Fressen beobachten, besonders bei bekannten Risikohunden
- einen erhöhten Futternapf nicht pauschal als Schutzmaßnahme ansehen, sondern individuell mit dem Tierarzt besprechen
- bei Risikohunden auch Fütterungsart und Futterzusammensetzung mit dem Tierarzt besprechen
- Fütterung, Aktivität und individuelle Risikofaktoren mit dem Tierarzt besprechen
- bei Risikohunden mit dem Tierarzt oder Chirurgen über eine prophylaktische Gastropexie sprechen
5. Was erhöht im Ernstfall die Überlebenschance?
Die wichtigste Vorbereitung ist nicht nur Fütterungsmanagement. Die wichtigste Vorbereitung ist, im Notfall keine Zeit zu verlieren. Viele verlieren wertvolle Minuten, weil sie hoffen, dass es vielleicht nur Bauchweh ist. Genau diese Unsicherheit ist gefährlich.
Bei Verdacht auf Magendrehung gibt es kein peinliches Überreagieren. Es gibt nur schnelles Handeln oder verlorene Zeit.
Deshalb sollte jeder Halter eines großen oder tiefbrüstigen Hundes vorab wissen:
- Welche Klinik in meiner Nähe hat einen 24-Stunden-Notfalldienst?
- Kann diese Klinik eine Magendrehung diagnostizieren, den Hund stabilisieren und notfalls operieren?
- Habe ich die Telefonnummer gespeichert?
- Weiß ich, wie ich dorthin komme? Wie lange brauche ich?
- Was mache ich, wenn ich alleine bin? Wie bekomme ich einen sehr schweren Hund ins Auto?
- Wer könnte mir im Notfall helfen? Habe ich eine Rampe oder eine andere Transportlösung?
- Weiß ich auch im Urlaub, wo die nächste geeignete Klinik ist?
Langes Suchen im Internet kostet Zeit. Und bei einer Magendrehung kann genau diese Zeit entscheidend sein.
6. Fazit: Man ist nie ganz sicher – aber man kann vorbereitet sein
Charlotte hatte Glück. Nicht, weil die Situation harmlos war. Sondern weil wir schnell gehandelt haben, weil die Klinik erreichbar war und weil das Team sofort reagieren konnte.
Was ich aus dieser Erfahrung mitgenommen habe: Man kann eine Magendrehung nie vollständig ausschließen. Nicht durch perfekte Fütterung, nicht durch Vorsicht, nicht durch Erfahrung. Auch wenn man vieles richtig macht, kann es passieren.
Aber man kann vorbereitet sein. Man kann die Risikofaktoren kennen. Man kann die Symptome kennen. Man kann wissen, welche Klinik zuständig ist. Man kann die Nummer gespeichert haben. Man kann den Transport planen. Und man kann im entscheidenden Moment lieber einmal zu viel fahren als einmal zu wenig.
Denn bei einer Magendrehung zählt am Ende oft vor allem eines: Zeit.
Dank und fachliche Einordnung
Mein besonderer Dank gilt Alessandro Andreoni und dem gesamten Team der Ennetsee Klinik für Kleintiere. Charlotte wurde dort nicht nur schnell und professionell behandelt, sondern auch mit großer Sorgfalt und Ruhe durch diesen lebensbedrohlichen Notfall begleitet.
Für mich wurde in dieser Nacht sehr deutlich, wie entscheidend es ist, eine Klinik in erreichbarer Nähe zu haben, die einen Notfalldienst anbietet und in einer solchen Situation sofort handeln kann. Bei einer Magendrehung zählt jede Minute – und genau dieses schnelle, entschlossene Vorgehen hat Charlotte das Leben gerettet.
Ich bin Alessandro Andreoni und dem ganzen Team sehr dankbar, dass Charlotte so gut versorgt wurde und sich von diesem schweren Eingriff vollständig erholen konnte.
Der medizinische Teil dieses Artikels wurde von Alessandro Andreoni fachlich gegengelesen.